Wie Cloud-Projekte erfolgreich baden gehen

netlogix
von netlogix
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Der Cloud Monitor der Bitkom gab an, dass Mitte 2019 bereits mehr als 73 % aller deutschen Unternehmen auf Rechenleistung aus der Cloud zurückgegriffen haben. Und dieser Trend soll weiter anhalten. Ein Grund dafür ist die drastisch vereinfachte „Usability“ der angebotenen Services. Konsumieren statt administrieren. Zeit ist Geld. Immer noch.

Die Gründe für die stetig wachsende Cloud-Begeisterung sind dabei mannigfaltig:

 

Daneben kommen noch weitere ableitbare Gründe und Motivationen zusammen wie Firmen-Merges (Fusionen, Aufkäufe etc.), Entfall des EoS (End of Support)-Controllings, Reduzierung der Komplexität, Steigerung der Agilität und Effizienz, Fokus auf den eigenen Unternehmenszweck, schnelleres Go-to-Market bis hin zur Disruption des Markts. So verlockend diese Worthülsen auch klingen mögen, allesamt verstehen sie sich zuallererst als Möglichkeit, weniger als Garantie! Alles kann, nichts muss.

 

Anders gesagt: „Bevor du ins unbekannt tiefe Wasser springst, solltest du schwimmen können.“ Und glaube mir: Auch Cloud-Projekte können baden gehen. Lerne also vorher schwimmen und plane die Umsetzung deines Cloud-Projekts hinreichend genau. Und da wir uns in der IT befinden, beziehe ich mich auf die binäre Annahme von „Schwimmer“ und „Nichtschwimmer“. Du möchtest kein Treibholz als Projekt planen, auch wenn dieses suggeriert, dass es schwimmt.

Phase 1: Treiber, Ziele und Strategie

Bei der Planung eines Cloud-Projekts, egal ob groß oder klein, solltest du dich mit folgenden drei Absichten beschäftigen: Treiber, Ziele und Strategie. Schreibe  alle Absichten und Vorhaben deines Cloud-Ansatz betreffend auf. Eine Mindmap kann dir helfen, all deine Gedanken kreativ zu erfassen und zu sortieren.

Phase 2: Vorbereitung

Bereits in dieser frühen, dafür aber äußerst wichtigen Phase, entscheidet sich, ob dein Cloud-Projekt baden gehen wird oder nicht. Bitte aber keine Angst an dieser Stelle. Es werden sich im Laufe des Projekts noch genug Möglichkeiten ergeben, das Projekt in den Sand zu setzen.

Nachdem du Treiber, Ziele und die Strategie schriftlich erfasst hast, kannst du sicherlich schon einige Promoter, also Befürworter, für dein Cloud-Projekt gewinnen. Promoter haben eine äußerst wichtige Rolle. Je mehr, desto besser. Binde daher nicht nur deine IT bzw. Administration oder den CIO ein, sondern auch die Unternehmensführung und zentrale Fachabteilungen. Die Unternehmensführung hat ein natürliches Interesse an einer effizienten IT, sofern diese dem Unternehmenszweck dient und Prozesse beschleunigt. Die Fachabteilung – oftmals sogar ganz IT-fremd – schafft genau diesen Unternehmenszweck und ist damit zentrales Element der Wertschöpfungskette. Was oder wen musst du nun für einen reibungslosen Cloud-Start vorbereiten?

  • das Unternehmen
  • die Mitarbeiter
  • die Kultur

Das Unternehmen besteht dabei oft aus einer Mischung aus Organisation und Prozessen, mit verschiedenen technischen Rahmenbedingungen. Denke  hier an die Informationspflicht, den Personal- und/oder Betriebsrat, fehlende oder zu aktualisierende Richtlinien (z.B. Mediennutzung und Datenschutzerklärung), Sicherungsmaßnahmen wie Zugangskontrollen und Berechtigungsstrukturen, Anbindungsoptionen und Bandbreiten, Versionierungen, bisher eingesetzte Technologien (migrierbar, obsolet, refresh) usw. Fehlt die Vorbereitung für das Unternehmen selbst, erhöht sich die Gefahr, dass dein Cloud-Projekt – du ahnst es – baden geht.

Die Mitarbeiter spielen eine elementare, wenn nicht sogar die elementarste Rolle in Cloud-Projekten. Ich möchte dir dies anhand zweier „Klischee“-Aussagen erläutern, welche dir nicht unbekannt sein dürften. Trotz des Klischees wirst du den Wahrheitsgehalt schnell in dein Unternehmen übertragen können.

  • Klischee 1: „Menschen mögen keine Veränderung“
    Das Gute an dem Klischee ist, dass es nicht auf jeden Kollegen zutrifft. Viele Menschen mögen es sogar, sich außerhalb ihrer gewohnten Umgebung, ihres Habitats, des geschaffenen sicheren Refugiums zu bewegen. Du erkennst sie an Sätzen wie: Endlich raus aus der Komfortzone! Oder: Lass uns das ausprobieren, was soll schon schiefgehen? Kennst du diesen Typus? Ohne dein Umfeld zu kennen, vermute ich, dass du diese Sätze vielleicht nicht jeden Tag vernehmen wirst. Was wird also passieren, wenn du die IT mittels Operation am offenen Herzen in ein IaaS (Infrastructure as a Service)-Modell verwandelst? Ist diese Änderung für den User wahrnehmbar? Hat der User ein Verständnis für eine pilotierte Startphase mit unvorhersehbaren Latenzen? Und ganz provozierend (gestatte mir die Frage): Welche Reputation hat die IT bei dir? Die Antwort darfst du gerne mit mir teilen oder auch nur für dich behalten.
  • Klischee 2: „Der Wirkungskreis der Kaffeemaschine“
    Ich gebe zu, die Kaffeemaschine hat bei den meisten Kollegen keinen Wirkungskreis, sondern eher die Rolle des Befähigungsinstruments, insbesondere bei der allmorgendlichen Routine. Einen Wirkungskreis findest du jedoch in direkter Näher der Kaffeemaschine. Hier stellen sich Kollegen zusammen und sprechen über Alltägliches. Meist geht es dabei um Chancen, die positive Geschäftsentwicklung, die gute Zusammenarbeit zwischen alten, neuen und externen Mitarbeitern, die hervorragenden Leadership-Qualitäten des Führungskreises und dergleichen. Du weißt, auf was ich hinaus möchte? Gut. Was würde also passieren, wenn das geplante Cloud-Projekt vom Start weg nicht so stressfrei für den Mitarbeiter funktioniert wie erwartet oder gar angekündigt? Die kollektive Ablehnung des Projekts kann – leider – bereits durch eine laute und starke Stimme beeinflusst werden. Positiv wie auch negativ. Dies ist auch der Grund, warum du Promoter brauchst, wie bereits oben erwähnt.
    Hole dir deine Mitarbeiter also frühzeitig ins Boot.

Wenn du dann Unternehmen und Mitarbeiter in deine Planung einbezogen bzw. berücksichtigt hast, bleibt noch die Kultur. Diese kennst du  in deinem Unternehmen doch am besten. Benötigst du  für „das Neue“ einen kulturellen Change? Gegebenenfalls sogar ein neues Mindset? Dann musst du deine Absichten und deinen bis dahin schon existierenden Plan den richtigen Leuten näherbringen. Die Kultur wird von den Mitarbeitern geschaffen und kann sich anhand von vorgegebenen Leitlinien organisieren. Schaffe eine positive Kultur, bevor du versuchst, durch Innovation zu überzeugen und dein Vorhaben zu begründen.

Ein einfacher Satz zur Unternehmenskultur von Gründerszene gefällt mir besonders gut: Die Unternehmenskultur beschreibt die Werte, Normen und Einstellungen, welche die Entscheidungen, Handlungen und das Verhalten der Mitglieder einer Organisation prägen.

Die Entscheidung und die Handlung hast du schon getroffen bzw. geplant. Wie wird das Verhalten der Mitglieder deiner Organisation aussehen bzw. wie sieht das gewünschte Verhalten aus? Hast du  in deiner Entscheidung und Vorbereitung die Werte, Normen und Einstellungen berücksichtigt? Vielleicht hilft dir dazu noch ein Gedanke: Hast du Einigkeit über den Geschäftswert deiner Innovation schaffen können?

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Cloud-Projekt! Solltest du vorhaben, nicht baden zu gehen, spreche unser Team gerne an. Es lohnt sich.

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