18.07.2013

Citrix XenDesktop 7: Alles ändert sich - oder doch nicht?

In unserem heutigen Beitrag befassen wir uns mit dem neuen Citrix-Flaggschiff XenDesktop 7 und gehen hierbei genauer auf die Änderungen bzw. Neuerungen der Version 7 ein.

Die Änderungen in der Zusammenfassung:

  • Windows-8- und Windows-Server-2012-Support
  • XenDesktop 7 mit Windows Server 2008 R2 und Server 2012 möglich
  • Provisioning Server 7 mit Unterstützung von Windows 8 und Windows Server 2012
  • Wegfall der IMA-Architektur
  • eine Konsole für Desktop- und Applikationsbereitstellung
  • Desktop-Director-Portal (webbasiert) zur Überwachung der kompletten Site
  • integrierte EdgeSight-Funktionen im Desktop Director
  • weitere Optimierungen des HDX-Protokolls
  • StoreFront statt Webinterface
  • Wegfall des Citrix AppStreaming, dafür native Integration von App-V
  • HTML 5 Citrix Receiver
  • Steigerung der Benutzerfreundlichkeit
  • neue Editionen
  • Änderungen in der Lizenzierung

Nun ein paar Details zu den wichtigsten Änderungen in der neuen Version.

Windows-8- und Windows-Server-2012-Support

XenDesktop 7 unterstützt in der neuen Version Windows-8-Desktops sowie auf der Seite des Terminalservers Windows Server 2012, natürlich unter der Voraussetzung, dass auch die Hypervisor-Plattform diese Betriebssysteme unterstützt.


XenDesktop 7 mit Windows Server 2008 R2 und Server 2012 möglich

Ungewohnt für Citrix ist folgende Tatsache: XenDesktop 7 kann sowohl auf Windows Server 2008 R2 als auch auf Windows Server 2012 installiert werden. Bei XenApp ungewohnt ist, dass beide Servervarianten zusammen in einer Site (vormals „Farm“) agieren können - ohne Einschränkungen. Theoretisch ist es sogar möglich, zwei Controller-Server mit jeweils einem anderen Betriebssystem in einer Site zu betreiben.

Zur Aufklärung: Unter XenDesktop benötigte man schon immer so genannte Desktop-Delivery-Controller, welche für die User die Verbindung zu den virtuellen Desktops herstellten. Für diese Zwecke ist ein Agent auf den Desktops installiert (Virtual Delivery Agent), welcher mit den Delivery-Controllern kommuniziert. Bei XenApp dienten hierzu die so genannten Data-Collectoren. Diese Rolle hatte in der Regel jeder Server (mit Ausnahme von XenApp 6.5 - dort konnte man Controller- und Worker-Rollen festlegen). Mit XenDesktop 7 gleicht sich die Architektur von XenApp an. Hierzu werden nun auch die Delivery-Controller verwendet. Auf den zukünftigen Applikationsservern wird, genauso wie bei den virtuellen Desktops, ein Agent installiert (VDA). Dieser Agent installiert alle für die Applikationsbereitstellung benötigten Komponenten (Terminalserverrolle, Profilmanagement etc.) und kommuniziert dann auch mit den Controller-Servern.

Provisioning Server 7 mit Unterstützung von Windows 8 und Windows Server 2012

Natürlich können Server und Desktops weiterhin mithilfe der Provisioning Services unter dem Motto „Single Image“ Deployment ausgerollt werden. Provisioning Services 7 unterstützt nun auch Windows 8 und Windows Server 2012 und kann somit auch auf Windows Server 2012 installiert werden. Neben zusätzlichen Support von z.B. Hyper-V 3.0 und System Center 2012 SP1 sind dies die wesentlichen Neuerungen bei den Provisioning Services.

Wegfall der IMA-Architektur

Für Administratoren von XenDesktop 5 werden die folgenden Architekturänderungen nicht ganz unbekannt sein. Durch die neue Steuerung der Applikationsserver mithilfe der Controller passt sich XenApp der Architektur von XenDesktop an. Somit fällt die seit Jahren bewährte IMA-Architektur aus dem Produkt heraus und wird nun durch die FlexCast-Management-Architektur ersetzt. Bekannte Befehle wie z.B. „qfarm“ und „dsmaint“ sind deshalb nicht mehr möglich. Kommandozeilenbefehle werden wie schon mit XenDesktop 5 über PowerShell-Befehle umgesetzt.
Auch der „local host cache“, also das lokale Zwischenspeichern der Datenbank, gehört der Vergangenheit an, denn nun benötigt - wie schon in XenDesktop 5 - der Controller-Server eine dauerhafte Verbindung zur Datenbank. Fällt die Datenbank aus, gibt es keinerlei Möglichkeit mehr, auf die Site zuzugreifen. Bereits bestehende Verbindungen bleiben aber weiterhin aktiv. Man sollte sich also spätestens jetzt Gedanken über eine ausfallsichere SQL-Datenbank machen.

Citrix Studio

Mit XenApp 6.5 hat es Citrix endlich geschafft, eine Konsole für alle Konfigurationen zu entwickeln. Dennoch musste man seine XenDesktop-Plattform weiterhin mit einer anderen Konsole bedienen.
Mit der neuen Version und der damit zusammenhängenden Fusion beider Produkte ist das „Citrix Studio“ nun das Werkzeug für Administratoren. Wenn man es streng betrachtet, gibt es aber nach wie vor zwei Konsolen.

Desktop Director

Der Desktop Director ist XenDesktop-Kunden bereits bekannt. Er bot dem Helpdesk Möglichkeiten zur Überwachung der Infrastruktur und gleichzeitig ein paar eingeschränkte Steuerungsfunktionen von virtuellen Maschinen (z.B. Neustarten, Logoff, Spiegeln).
Dieser Director kommt in Form einer Weboberfläche und bietet mit XenDesktop 7 weitaus mehr Möglichkeiten. Da man im Citrix Studio keine Übersicht mehr über die aktiven Sitzungen hat, ist man nun auch als Administrator auf den Desktop Director angewiesen. Als kleine Entschädigung bietet die Oberfläche aber auch gewisse EdgeSight-Funktionen wie z.B. eine Anzeige über die durchschnittliche Anmeldedauer, Trendanzeigen bei den Anmeldungen oder Meldungen über Verbindungsfehler.

Weitere Optimierungen des HDX-Protokolls

Auf die detaillierten Änderungen im HDX-Protokoll bzw. in den HDX-Features gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Viele Features waren meiner Meinung nach schon unter XenApp 6.5 bekannt, wie der Multicast-Support oder Windows Media Content Fetching. Diese und andere Features wie Flash Redirection und HDX 3D Pro wurden weiter verbessert.

StoreFront statt Webinterface

Schon seit über einem Jahr gibt es nun den Webinterface-Nachfolger StoreFront. StoreFront ändert den herkömmlichen Weg des Benutzerzugriffs etwas, zumindest aus Sicht des Benutzers. Der Anwender hat nach wie vor über eine Website oder über den Receiver Zugriff auf seine Applikationen, die Ansicht und Handhabung haben sich jedoch etwas verändert. Hier gehen die Meinungen über die neue Ansicht weit auseinander, da über kurz oder lang auch die PNAgent-Funktionalität der Vergangenheit angehören wird. Derzeit ist die PNAgent-Zugriffsmethode noch als „Legacy Support“ in StoreFront enthalten. Bekannte Funktionen aus dem Webinterface sind teilweise weggefallen oder können nur noch über Konfigurationsdateien angepasst werden. Das wirklich Positive an der mit XenDesktop 7 ausgelieferten Variante von StoreFront 2.0 ist, dass nun keine SQL-Datenbank mehr benötigt wird. Ab jetzt steht der Umstellung auf StoreFront nichts mehr im Wege.

Wegfall des Citrix AppStreaming, dafür native Integration von App-V

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge müssen wir uns ab Version 7 von XenDesktop vom Citrix AppStreaming verabschieden. AppStreaming war eine Methode, um vorgefertigte Applikationspakete an beispielsweise einen XenApp-Server zu streamen, um von dort aus die Applikation den Anwendern bereitzustellen. Viel interessanter für unsere Kunden war jedoch die Möglichkeit, Pakete an Clientsysteme zu streamen, und die Tatsache, dass man diese für eine begrenzte Zeit auch offline verfügbar machen konnte.
Das Citrix AppStreaming wird laut Citrix mit Windows 8 und Windows Server 2012 nicht mehr weiterentwickelt. Dafür gibt es aber, wie auch bereits mit XenApp 6.5, die Möglichkeit einer Integration von App-V-Paketen. Microsoft App-V war die direkte Konkurrenz beim Thema Anwendungsvirtualisierung in Form von „Sandboxing“. Citrix als Partner von Microsoft setzt nun ganz auf deren Technologie. Dies bedeutet im gleichen Zuge auch: Wer mit App-V und Anwendungsstreaming arbeiten möchte, muss sich einen gesonderten App-V-Managementserver erstellen und diesen in XenDesktop einbinden.

HTML 5 Citrix Receiver

XenDesktop 7 bietet dem User auch einen HTML 5 Receiver für den Zugriff auf Anwendungen oder Desktops an. Ich persönlich habe schon mal eine Demo gesehen, ihn aber aktuell noch nicht getestet.

Steigerung der Benutzerfreundlichkeit

Im Großen und Ganzen hat sich die Installation der Citrix-Komponenten weiter vereinfacht. Auch bietet das Citrix Studio nun zum Großteil kurze Erklärungen der einzelnen Funktionen und die Möglichkeit von Konfigurationstests der getätigten Einstellungen. So kann beispielsweise eine Desktopgruppe nach dem Erstellen noch einmal darauf getestet werden, ob alles korrekt konfiguriert wurde. Auf solche Funktionen hat Citrix in der neuen Version sehr viel Wert gelegt. Ob das in einer Liveumgebung auch wirklich nützlich ist, wird sich erst noch herausstellen

Editionen

Mit XenDesktop 7 gibt es nur noch vier Produkteditionen.
Die „XenDesktop VDI Edition“ ist für reine VDI-Umgebungen gedacht. Dies bedeutet, dass man mit dieser Version ausschließlich virtuelle Desktops betreiben kann.
Als Ersatz für XenApp wurde die „XenDesktop App Edition“ mit in das Produktportfolio aufgenommen. Diese Version ersetzt die Enterprise- und Platinum-Editionen von XenApp.
Mit „XenDesktop Enterprise Edition“ und „XenDesktop Platinum Edition“ wurde ein Komplettpaket geschnürt. Mit diesen Lizenzen kann man VDI-Umgebungen aufbauen und gleichzeitig veröffentlichte Apps/Desktops zur Verfügung stellen. Der Unterschied zwischen Enterprise und Platinum liegt im Detail und es muss je nach Anforderung entschieden werden, welche Version eingesetzt werden soll.

Lizenzierung

Mit einer gültigen Subscription kann man im Rahmen der BOSA (Benefits of Subscription Advantage) in den meisten Fällen kostenlos auf XenDesktop 7 upgraden.
Hierbei gibt es jedoch einige Einschränkungen. Die Subscription muss zum 21.06.2013 gültig gewesen sein und auch bis zum Upgrade noch gültig sein. Sollte die Subscription nicht mehr gültig sein, ist das Upgrade nicht mehr kostenlos. Das Produkt XenApp Advanced ist nicht in der BOSA enthalten, hier ist ein kostenpflichtiger Trade-up nötig. Die restlichen XenApp-Produkte gehen in die Version „XenDesktop App Edition“ über.

Florian Scheler
Senior Consultant

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