26.11.2018

Citrix Technology Exchange 2018

Dieses Jahr besuchten wir wieder Europas größte Citrix-Konferenz. Diese fand für die ca. 1.200 Besucher vom 19. bis 20. November erneut im beeindruckenden World Conference Center Bonn – dem ehemaligen Bundestag – statt. Das Motto der Veranstaltung lautete „Get Ready for Take Off“ und soll nun auch den deutschen bzw. europäischen Markt mehr und mehr auf die Cloud vorbereiten.

Natürlich war abzusehen, dass sich die meisten Themen um die Cloud drehen würden, doch der Fokus war dieses Jahr schon extrem spürbar. Mittlerweile gibt es laut Aussage von Citrix keine Themen mehr, die ohne Verbindung zur Cloud auskommen. In etwas mehr als 50 Sessions fokussierte man sich vor allem auf die stetige Optimierung der Benutzererfahrung und die damit verbundene freie Wahl der Arbeitsweise. Laut Christian Reilly, dem CTO von Citrix, sind die Anwender smarter als je zuvor. Sie finden schnell heraus, was für sie funktioniert und was nicht. Damit spielte er auch auf die Generation Z an, also die „Ab-2000er-Generation“ von Anwendern, die nun so langsam auf den Arbeitsmarkt drängt und in einer dauerhaften Online-Welt aufgewachsen ist, deren Endgerät das Smartphone darstellt.

Alles Cloud oder was?

Die On-Prem-Lösungen von Citrix stellen mittlerweile nur eine Option eines stetig und schnell wachsenden Arbeitsumfelds dar. Das ist der Grund, warum sich Citrix in den letzten Jahren auch wandeln musste und sich unserer Meinung nach nun sehr gut in der Hybrid- und Multi-Cloud-Welt positioniert hat. Dies mag in Deutschland nur schleppend anerkannt werden, ist aber in Amerika schon längst gang und gäbe. Natürlich stellte sich Citrix diesmal mehr den Fragen in den Bereichen IT-Sicherheit und Kontrolle, da die Verantwortlichen genau wissen, dass der europäische Markt die Cloudtransformation aufgrund von einigen Ängsten in diesem Umfeld nicht mit offenen Armen begrüßt. Viele sind sich vermutlich über die Use Cases nicht im Klaren. Dies ist Citrix bewusst geworden und man merkte diesmal in einigen Vorträgen, wie z.B. bei James Hsu (Citrix Senior Technology Architect) „Embrace hybrid deployments with Citrix Virtual App and Citrix Virtual Desktop Services“, dass es genügend Gründe gibt, weswegen eine Cloudlösung durchaus sinnvoll ist – sei es für Disaster-Recovery-Szenarien, Expansionen, schrittweise Migrationen oder sei es das Abfangen von zusätzlichen Workloads.

Im Fokus: der Endanwender

Neben den Vorteilen für Unternehmen kommt bei Citrix natürlich der Endanwender immer noch an erster Stelle. So stellten gleich mehrere Speakers in mehreren Sessions die neue „User Experience“ Citrix Workspace vor. Wir fühlten uns nach dem vierten Vortrag mit sehr ähnlichem Inhalt in Bezug auf die neue Workspace App schon fast einer Gehirnwäsche unterzogen, aber der Ansatz, den Citrix hier verfolgt, ergibt durchaus Sinn. Das Ziel ist es, eine Arbeitsoberfläche (den sog. „Workspace“) für alle Einsatzszenarien nach dem bekannten Prinzip „anytime, anywhere, any device“ zu schaffen, seien es Windows-Apps und -Desktops, seien es SaaS-Apps, mobile Apps oder Content (z.B. Webbrowser-Inhalte wie Google oder Office 365).

Natürlich kann man nun auch seine ShareFile-Inhalte (heißt neuerdings Content Collaboration) über die Workspace App aufrufen und bearbeiten. Diese ganzen Vorteile sind auch hier zukunftssicher als Cloudservice in der Citrix-Cloud unter dem Namen „Workspace Platform“ zusammengefasst. Ein gutes Beispiel für die Vorteile ist neben der freien Wahl der eigenen Arbeitsweise auch die Übernahme von Mitarbeitern anderer Firmen. Nicht alle Firmen nutzen dieselben Anwendungen und Services. Firmen stehen deshalb oft vor einer enormen Herausforderung, neu hinzugewonnene Anwender schnell und effektiv in das eigene Unternehmen zu integrieren. Mit dem Citrix Workspace bietet Citrix, was die Möglichkeiten betrifft, eine beispiellose Lösung an, welche kontinuierlich weiterentwickelt und an die Bedürfnisse der Zeit angepasst wird.

Jenseits der Cloud

Man musste die Vorträge ohne direkten Cloudbezug schon fast mit der Wünschelrute suchen, aber einer dieser wenigen Vorträge handelte beispielsweise von NVIDIA vGPUs in Verbindung mit Citrix Virtual Apps. Dort wurden das Sizing und die Performance der aktuellen Generation von vGPU-Profilen behandelt und wie sich deren Einsatz auf die Benutzererfahrung auswirkt. Der Einsatzweck ist interessant, da heute längst nicht nur CAD-Software von einer Grafikbeschleunigung profitieren kann, sondern auch nicht so anspruchsvolle Anwendungen wie Office 365 oder Adobe Acrobat. Beim Abspielen von Videos entlasten die eingesetzten vGPUs die CPU des Servers ebenfalls deutlich. Der sehr interessante Vortrag, durchgeführt von u.a. Ronald Grass (Citrix Senior Sales Engineer MMS), war einer der wenigen wirklich technischen Sessions, die man dieses Jahr besuchen konnte.

Ein weiterer (leider sehr grundlagenbasierter) technischer Slot wurde vom Citrix-Professional-Services-Team durchgeführt. Dieser Vortrag behandelte Best Practices im Bereich Citrix Virtual Apps and Desktops (vormals XenApp und XenDesktop) und welche davon heute überhaupt noch gültig sind. Dabei beantworteten die Referenten auch die Frage, welche Funktionen, Konfigurationen und Produkte verwendet werden sollen. Es sei nur so viel gesagt: Unsere Citrix-Kunden können sich entspannt zurücklehnen, denn unsere langjährige Erfahrung wurde hier bestätigt und wir haben bei euch bereits alles richtig gemacht. :-)

Networking in der Cloud

Auch im Networking-Bereich zieht die Cloud nicht einfach so vorbei. Wie schon in Richtung Apps und Desktops haben sich auch die Vortragsslots für den Netzwerkbereich hauptsächlich mit cloudkompatiblen Themen gefüllt. 

Ging es anfangs noch relativ überschaubar mit einem Vortrag über Citrix ADC (vormals NetScaler) und einem kleinen How-To für SSL-Security los, hat man relativ schnell gemerkt, in welche Richtung es zukünftig gehen wird. Cloudservices, ADM (vormals MAS – Management and Analytics System), ADC – und das alles nicht on-prem. 

Der Ansatz ist gut und nachvollziehbar – man stellt sich seine Appliances in eine beliebige Cloud und automatisiert sämtliche Konfigurationen und Wartungsarbeiten mittels ADM zentral. Das Schlüsselwort hier ist „Stylebooks“ – diese sind entweder selber zu erstellen oder kommen von Citrix für entsprechend supportete Applikationen mit. Füttert man dieses Stylebook nun mit den nötigen Informationen (IPs, Namen, Zertifikate), erstellt ADM für sämtliche gewünschten Appliances fertige Konfigurationen und pusht diese auf die Live-Umgebung. So entstehen zentral administriert und automatisiert homogene ADC-Landschaften und das Ganze in beliebigen Clouddiensten. Esther Barthel und Carsten Bruns haben ihr Know-how und ihre Erfahrungen weitergegeben im Vortrag „How to use Citrix Application Delivery Management to manage your Citrix ADCs: A practical guide for Citrix ADC automation and management with Stylebooks and Configuration Jobs“.

Wie solche Szenarien in hybriden und multiplen Cloudumgebungen realisierbar sind, erzählte dann die Produktmanagerin des Networking-Teams von Citrix, Marissa Schmidt. „Leider“ konnte man hier eher (Pre-)Sales-Informationen rausziehen und nicht allzu tief technisch einsteigen, interessant ist allerdings der Ausblick auf die supporteten Cloudplattformen und hybriden Konfigurationen, die von Citrix auch so abbildbar sein sollen. 

Zugriffsmanagement on-premises und in der Cloud

Interessanter auf technischer Ebene wurde es dann beim Vortrag zu „Identitäts- und Zugriffsmanagement: von Unified Gateway zu Citrix Access Control“. Hier hat Arne Marien von Citrix die beiden Möglichkeiten von Zugriffsmöglichkeiten on-premises (Unified Gateway) und Cloud (Access Control) vorgestellt. Auch hier ist ersichtlich, wo es auf Dauer hingehen soll – in der Cloud reichen zwei bis drei Klicks auf vorkonfigurierte Templates und Berechtigungseinschränkungen und schon hat man einen fertigen Zugang auf den gewünschten Dienst. 

Im Gegensatz dazu steht das Unified Gateway – wie hinlänglich bekannt wird hier noch mehr selbst konfiguriert – als Teil des Citrix ADC. Dies ist natürlich aufwändiger, komplexer und erfordert mehr Wissen über das Produkt, allerdings hat man auch einiges mehr an Möglichkeiten, seine Konfiguration individuell anzupassen und zu ändern. Dies ist bei Access Control nicht möglich, entweder das Template passt einem oder nicht. Wenn’s schnell gehen muss und Know-how nicht im Überfluss vorhanden ist, stellt Citrix Access Control eine solide Alternative dar. Sobald man aber plant, den Zugriff seinen Bedürfnissen anzupassen und zu verändern, sollte man auf die bewährte Methode des ADC zurückgreifen.

User Principal Names und die Tücken der Authentifizierung

Unser persönliches Highlight stellte der letzte Vortrag dar – Thorsten Rood von braincon sprach über „Alternative UPNs für Office 365“. Hier wurde einem nicht nur extrem lehrreich gezeigt, wie wenig man über die konventionellen Authentifizierungsmethoden von Windows wusste (unsichtbare iUPN, eUPN, fünf verschiedene Möglichkeiten, sich an Windows anzumelden – auf Domain-Basis etc.), sondern auch erklärt, wie man es mithilfe von nFactor und NetScaler schafft, eine saubere und nahtlose Authentifizierung zu sämtlichen Clouddiensten zu konfigurieren. 

Was wir hier jedem mit auf den Weg geben können: Zieht eure UPNs und E-Mail-Adressen gerade! Es gibt vermutlich keinen größeren Horror als wenn die Cloud nur Mail-Authentifizierungen zulässt, diese aber nicht mit dem UPN übereinstimmen und man tausende User anpacken muss, um diese Attribute anzuapssen. Auch wenn es ein tolles Microsoft-Skript dafür gibt, welches dies relativ kompromisslos erledigt – man sollte sich auf jeden Fall erst Gedanken machen, was dies für Auswirkungen haben kann. 

Ausblick

Das war unser kurzer Überblick über die Citrix Technology Exchange 2018. Wir können euch zum Abschluss aber trotz der Fokussierung auf die (Citrix-) Cloud beruhigen, denn Citrix hat nicht vor, die On-Prem-Lösungen auslaufen zu lassen. Diese werden nämlich nach wie vor genauso wie die Cloudlösungen weiterentwickelt, um auch hier den stetig wachsenden Ansprüchen der IT von heute gerecht zu werden.

Florian Scheler
Senior Consultant

Unsere Blogs