05.08.2015

Akkupflege bei ThinkPads unter Windows 10

Hier eine Info für alle ThinkPad-Benutzer, die es nicht abwarten konnten und schon mal Windows 10 installieren mussten und jetzt deswegen ihren armen Akku verrecken lassen. 

Bis einschließlich Windows 7 konnte man einfach und unkompliziert mit der Software „Lenovo PowerManager“ die Ladeschwellen der Akkus einstellen, um so dem Akku ein langes, glückliches Leben zu bescheren. Für Windows 8 und 8.1 gab es neben einer offiziellen App aus dem Microsoft Store noch ein paar inoffizielle Tricks, die den PowerManager auch unter Windows 8.1 zum Laufen brachten. Und es gab Registry Keys, die die Ladeschwellen ressourcenschonend ohne PowerManager oder App festlegen konnten.

Für Windows 10 gibt es jetzt nur noch die „Lenovo Settings App“. Man kommt deswegen um die direkte Bearbeitung der Registry unter Windows 10 nicht mehr herum, wenn man alle Funktionen seiner Hardware ausnutzen möchte. Die alten PowerManager Registry Keys von Windows 8.1 funktionieren aber nicht mehr, da die betreffenden Werte nun in anderen Registry-Zweigen untergebracht und/oder anders strukturiert wurden.

Daher eine kurze Anleitung zur Akkupflege unter Windows 10.

  1. Zuerst sind die Programme zu installieren, die die passenden Treiber mitbringen, damit Windows mit dem Controller des Akkus reden kann. Für Windows 10 sind das „Lenovo Power Management Driver“ und „Thinkpad Settings Dependency“. Möglicherweise könnte auch noch „Lenovo System Interface Foundation“ benötigt werden, aber einfach erst mal ohne probieren.
    Nach der Installation unbedingt neu starten.
  2. Nun sollte es den Zweig „HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Wow6432Node\Lenovo\PWRMGRV\ConfKeys\Data“ geben.
  3. Unter „Data“ sollte es u.a. einen oder mehrere Keys geben, die aus Buchstaben-Zahlen-Kombinationen bestehen und der/den Seriennummer(n) des/der verbauten Akku(s) entsprechen.
    Auf diese Weise kann man nun für jeden Akku eigene Werte einstellen. Das Schöne an Akkus für ThinkPads ist, dass sich jeder Akku diese Einstellungen in seinem eigenen Controller-Chip „merkt“ und so auch bei heruntergefahrenem Betriebssystem die für ihn konfigurierten Ladeschwellen einhält, sobald das Notebook am Netzstrom hängt.
  4. Für jeden Akku kann man nun folgende DWord-Keys anlegen oder modifizieren, die die Ladeschwellen beeinflussen:
    "ChargeStopControl" auf „1“ setzen, damit "ChargeStopPercentage" berücksichtigt wird.
    "ChargeStartControl" auf „1“ setzen, damit "ChargeStartPercentage" berücksichtigt wird.
    "ChargeStopPercentage" gibt an, bis zu welcher Kapazität geladen werden soll, z.B. bei Dezimalwert 90 wird der Akku nur bis maximal 90% aufgeladen.
    "ChargeStartPercentage" gibt an, ab wie viel Prozent Füllstand der Akku wieder geladen wird, z.B. bei Dezimalwert 40 wird der Akku erst wieder geladen, wenn er eine Restkapazität von kleiner gleich 40% hat. 

    Das Ganze sieht dann ungefähr so aus:

    Windows Registry Editor Version 5.00

    [HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Wow6432Node\Lenovo\PWRMGRV\ConfKeys\Data\1ZKDJ2961PH]
    "FirstInstID"=dword:00001d26
    "ChargeStopControl"=dword:00000001
    "ChargeStartControl"=dword:00000001
    "ChargeStopPercentage"=dword:0000005a (90)
    "ChargeStartPercentage"=dword:00000028 (40)
    "Automatic"=dword:00000002
  5. Abschließend noch einmal neu starten. Zum Testen den Akku unter den oberen Schwellenwert entladen und dann das Netzteil einstecken. Der Akku sollte nicht mehr laden, bis die Kapazität unter die untere Schwelle gefallen ist. 

Warum sollte man die Ladeschwellen eines Akkus überhaupt anpassen?

Akkus altern mit jedem Ladezyklus und verlieren einen Teil ihrer Kapazität. Das Problem kennt jeder iPhone-Besitzer zur Genüge.
Die im ThinkPad verbauten NiMH-Akkus altern u.a. dann besonders schnell, wenn sie:

  • im Betrieb oder im „sonnigen“ Auto sehr heiß werden
  • immer voll aufgeladen sind. Optimal sind für den Dauerzustand eigentlich um die 75%.
  • mit sehr hohem Ladestrom und hoher Ladespannung zugeballert werden, was am Ende eines jeden Ladezyklus der Fall ist (insbesondere zwischen 90 und 100%)

Das trifft den Akku besonders dann hart, wenn das Notebook meist in der Dockingstation steckt oder am Netzteil hängt. Hier wird der sich ständig selbst entladende Akku bei unter 96% immer gleich wieder auf volle 100% aufgeladen (Erhaltungsladung mit Default-Ladeschwellen). Manche ThinkPad-Modelle mit dicker CPU und 65W-Netzteil verwenden den Akku u.U. auch noch als Stützbatterie, wenn CPU und GPU mit Volldampf laufen, weil das Netzteil für diese Leistungsanforderung zu schwach ist und CPU und GPU sonst runtertakten müssten. Hier wird der Akku auch beim Betrieb an der Steckdose ständig ein wenig entladen, um dann ab 96% gleich wieder auf 100% vollgeladen zu werden.

Gegen Ersteres kann man nicht allzu viel machen, außer den Akku rausnehmen und im Kühlschrank lagern. Aber ohne Akku ist der Sinn eines Notebooks dahin.
Die letzten beiden Punkte kann man dagegen sehr einfach mit angepassten Ladeschwellen beeinflussen.

Für viele ThinkPad-Modelle gibt es übrigens auch extra wegen Windows 10 ein BIOS-Update. Das sollte man installieren, am besten VOR dem Update.

Update (10.08.2016)

Mittlerweile hat Lenovo anscheinend ein paar seiner Hausaufgaben gemacht. Die Lenovo Settings App ist seit dem Erscheinen des ursprünglichen Blog-Eintrags immer weiter aufgebohrt worden. Und, oh Wunder, seit ein paar Wochen kann man damit endlich auch Ladeschwellen für den Akku festlegen!

Aber irgendwas ist ja immer und Lenovo hat noch etwas nachzubessern: Man kann momentan nur die oberen Ladeschwellen definieren, nicht die unteren.

So kann man immerhin verhindern, dass der Akku bzw. die Akkus immer auf 100% geladen werden, aber man kann immer noch nicht festlegen, ab welcher Restkapazität der Akku bis zur angegebenen Schwelle geladen werden soll. Das ist natürlich nicht optimal, weil so schon ab 1% unter den eingestellten Werten wieder bis zum Schwellenwert geladen wird.

Also gilt für die optimale Akkupflege immer noch das bisher Gesagte: Will man die obere und untere Schwelle festlegen, hilft nur der direkte Eingriff in die Registry. Möchte man die Werte für alle Akkus gleich setzen, kann man die Schwellenwerte auch direkt im Registry-Zweig „HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Wow6432Node\Lenovo\PWRMGRV\ConfKeys\Data“ festlegen, dann muss man sich nicht mit den Seriennummern der Akkus herumschlagen.

Aber Achtung: Sobald man die Settings App öffnet und Werte für den Akku festlegt, werden alle direkt in der Registry gesetzten Schwellenwerte wieder überschrieben, leider auch die unteren Ladeschwellen!

Björn Lange
Leiter Consulting

Storage, Server und Co.

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